Buddhismus in Thailand: Mönche und Geschichte
Der Buddhismus ist allgegenwärtig
Früh morgens kurz nach Sonnenaufgang ziehen die Mönche durch Thailands Städte und Dörfer. Sie nehmen Lebensmittel und andere Spenden der Gläubigen entgegen. Mit den Spenden erwerben sich buddhistische Gläubige Verdienste für ihr zukünftiges Leben. So ist der Buddhismus in Thailand auch außerhalb der Tempel und Klöster allgegenwärtig. Rund 95 Prozent der Bevölkerung Thailands bekennen sich zum Buddhismus.
Thailand gehört neben Myanmar (Burma), Sri Lanka, Kambodscha und Laos zu den buddhistischen Ländern der Theravada Richtung, die der konservativen Hinayana Lehre zuzuordnen ist. Während der Mahayana Buddhismus, der in Ländern wie China, Japan, Korea und Vietnam praktiziert wird, mehrere Wege zur Erlösung kennt, orientieren sich die Lehren des Hinayana-Buddhismus streng an den überlieferten Pali-Schriften.
Geschichte
Unter Kaiser Ashoka wurde der Buddhismus in Indien im 3. Jahrhundert v. Chr. Staatsreligion. Ashoka entsandte Missionare, die dafür sorgten, dass sich die Religion weit über Indiens Grenzen hinaus verbreitete. Die mündlich überlieferten Regeln des Buddhismus wurden erst 400 Jahre nach Buddhas Tod 480 v. Chr. schriftlich auf Palmblätter in Pali-Schrift festgehalten.
Bereits während der ersten 300 Jahre nach Verkündung der Lehre spaltete sich der Buddhismus in verschiedene Schulen. Als Überlieferer der alten Schule gilt der Theravada Buddhismus.
In Thailand gewann der Buddhismus erst unter König Ramkhamhaeng (regierte von 1279 bis 1298) an Bedeutung. Der König ließ Mönche aus Ceylon kommen, um die reine buddhistische Lehre der Hinayana-Richtung zu verbreiten. Nachfolgende Könige förderten den Buddhismus in Thailand weiter.
Neben der streng an den Pali-Schriften orientierten Lehre wurden vom Volksglauben Geister, mystische Einflüsse und Legenden aus vorbuddhistischer Zeit übernommen. So wird auch heute noch in Thailand neben jedem neuen Haus ein so genanntes „Geisterhäuschen" für die Schutzgeister errichtet.
Klosterleben
Alle männlichen Thai treten mindestens einmal in ihrem Leben ins Kloster ein. Mit Beginn der Regenzeit bereiten sich viele junge Männer, die meist das 20. Lebensjahr vollendet haben, auf das Klosterleben vor. Für sie ist die mit der Ordination beginnende dreimonatige Zeit als Mönch der symbolische Übergang in die Welt der Erwachsenen. In 40.000 Tempeln leben über 240.000 Mönche und 100.000 Novizen (junge, noch nicht volljährige Mönche) und unterwerfen sich den 227 buddhistischen Regeln.
Novizen im Tempel. Foto: D. Bunkerd/pixelio.de
Sie verzichten unter anderem auf jedes Eigentum, dürfen weder Menschen noch Tiere verletzen, nicht in bequemen Betten schlafen, singen oder tanzen, kein Parfum benutzen und müssen ein striktes Zölibat befolgen. Ihre Mahlzeiten, die sie nur vor 12 Uhr mittags und nach Sonnenuntergang einnehmen dürfen, erhalten sie am frühen Morgen in Form von Spenden von den Gläubigen. Mönche sollen sich von allen irdischen Verlockungen lösen, so durften sie ursprünglich nicht einmal mit einer Frau sprechen (siehe Verhalten gegenüber Mönchen).
Mit der Ordination zum Mönch wird jeder Thai zu einer geehrten und respektierten Persönlichkeit. Und es entspricht selbst der Würde des Königs, einem Bauernsohn Respekt zu erweisen. Dies beruht auf der Tatsache, dass der Mönch nicht als Individuum, sondern als Vertreter des buddhistischen Ideals angesehen wird. Um ihre individuellen Züge zu verbergen, halten Mönche bei bestimmten Ritualen fächerartige Schirme vor ihr Gesicht.
Frauen und Buddhismus
Das Klosterleben steht den Frauen nur eingeschränkt offen. Buddhistische Nonnen gehören weder einem Orden an, noch können sie Rechte und Privilegien beanspruchen. Während es im ursprünglichen Buddhismus dafür keinerlei Rechtfertigung gibt, ist zu späteren Zeiten versucht worden, die Lehre entsprechend zu interpretieren.
Quelle: Thailand - Der Süden. Stefan Loose Travel Handbücher,
September 2005, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, S. 97-100.
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