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Geschichte und Politik in Thailand


Vom Königreich Dvaravati zur Chakri-Dynastie

Zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert existiert in Zentralthailand das buddhistische Königreich Dvaravati. Seine Einwohner gehören der Volksgruppe der Mon an. Der Norden Thailands wird von den hinduistischen Khmern von Angkor beherrscht. Im 11. und 12. Jahrhundert vermischen sich die Mon mit den im Norden siedelnden Tai und gründen um 1240 das Reich der Sukhothai. Im 14. Jahrhundert tritt an seine Stelle das Reich von Ayutthaya, das im Jahr 1569 Vasallenstaat von Birma wird. König Naresuan stellt das Reich 1584 wieder her. Zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1767, zerstören die Birmanen Ayutthaya. Insgesamt herrschten zwischen 1351 und 1767 in Ayutthaya 35 Könige. General Chaophraya Chakri begründet als Rama I. (1782–1809) die Chakri-Dynastie. Seine Residenz verlegt er nach Bangkok.

19./20. Jahrhundert: Aus Siam wird Thailand

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führt König Rama V. (Chulalongkorn, 1868–1910) diverse Neuerungen ein: Er schafft die Sklaverei ab und richtet ein westlich orientiertes Schul-, Steuer- und Justizwesen ein. Nach einem Staatsstreich wird Thailand im Jahr 1932 konstitutionelle Monarchie. 1938 errichtet Marschall Pibul Songgram eine Militärdiktatur. Sie dauert bis 1944. Im Zweiten Weltkrieg ist Thailand mit Japan verbündet, nimmt aber an den Kriegshandlungen nicht teil. 1939 erhält das ehemalige Siam den Namen Thailand. Nach der Ermordung König Ramas VIII. im Jahr 1946 reißt Pibul Songgram 1947 erneut die Regierungsgewalt an sich, wird aber 1957 durch einen Staatsstreich der Militärs unter Sarit Thanarat gestürzt.

Die thailändische Nationalflagge.

1946 besteigt Bhumibol Adulyadej (Foto oben) als Rama IX. den Thron. Immer wieder kommt es in Thailand zum Militärputsch. Bhumibol vermittelt zwischen den zerstrittenen Parteien. Thailands König ist bis heute der am längsten regierende Monarch der Welt. Von seinem Volk wird er stark verehrt. Bilder von Bhumibol hängen in allen öffentlichen Gebäuden und in den meisten Wohnhäusern. Auf Geldscheinen und Münzen der Landeswährung Baht ist das Konterfei des Königs abgebildet.

Die rot-weiß-blau gestreifte Flagge Thailands symbolisiert die Stärke des Königshauses. Blau steht für den König und die königliche Familie, Rot für die Nation und Weiß für die Religion.

70er-Jahre bis 2006: Asienkrise und Thaksin

Der rasante wirtschaftliche Aufstieg Thailands seit Ende der 70er-Jahre endet in der Asienkrise. Nach dem Rücktritt der Regierung Chavalit Yongchaiyudh wird Chuan Leekpai neuer Premierminister. Ihm gelingt es, die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren. Die Parlamentswahlen am 6. Januar 2001 gewinnt die Partei Thai Rak Thai ("Thais lieben Thais", gegründet 1998). Ihr Vorsitzender Thaksin Shinawatra, ein reicher Telekomunternehmer, wird im Februar 2001 Ministerpräsident einer Koalitionsregierung. Nach anhaltenden Massenprotesten gegen Thaksin, dem eine Vermischung politischer und geschäftlicher Interessen vorgeworfen wird, löst dieser im Februar 2006 das Parlament auf.

Boykott der Neuwahlen und Bombenanschläge

Die Neuwahlen am 2. April 2006 werden von der Opposition und ihren Anhängern boykottiert. Am 8. Mai 2006 erklärt das Verfassungsgericht die Parlamentswahlen für ungültig und ordnet Neuwahlen an. Am 23. Juli 2006 unterzeichnet König Bhumiphol ein Dekret für Neuwahlen am 15. Oktober 2006. Bei einer Anschlagsserie von fast 100 Bomben- und Brandanschlägen im Süden Thailands werden am 2. August desselben Jahres drei Menschen getötet und vier weitere verletzt. (Quelle: Auswärtiges Amt)

Militärputsch und Parlamentswahl 2007

Mit einem unblutigen Putsch setzt das Militär am 19. September 2006 Thailands Premierminister Thaksin Shinawatra wegen Korruptionsvorwürfen ab. Thaksin geht ins Exil nach London. Am 1. Oktober wird der ehemalige Oberbefehlshaber der Armee, Surayud Chulanont, zum Übergangs-Premierminister ernannt. Wenige Tage später tritt Thaksin als Vorsitzender seiner Partei Thai Rak Thai zurück.

Am 30. Mai 2007 löst das Verfassungsgericht die Thai Rak Thai wegen Verstößen gegen das Wahlrecht auf. Thaksin und 110 weitere Parteimitglieder sollen sich fünf Jahre politisch nicht betätigen dürfen. Am 1. Oktober tritt eine von der Militärspitze ausgearbeitete Übergangsverfassung in Kraft. Danach sollen Gerichte, Verwaltung und Militär mehr Macht bekommen.

Bei den Parlamentswahlen am 23. Dezember 2007 erringt die Thaksin-nahe „Partei der Volksmacht" (PPP) 233 der insgesamt 480 Abgeordnetensitze. Die Demokratische Partei erhält 165 Mandate. Da sich die Vorwürfe gegen die Sieger wegen Waltbetrugs häufen, soll das Wahlergebnis gerichtlich geprüft werden. Den Siegern wird unter anderem Stimmenkauf vorgeworfen. Der Großteil der Anschuldigungen richtet sich gegen die PPP.

Am 18. Januar 2008 spricht das Oberste Gericht Thailands die PPP vom Vorwurf des Wahlbetrugs frei und lehnt die Annulierung der Parlamentswahl ab. Damit kann die PPP mit fünf weiteren Parteien eine Regierungskoalition bilden. Am 28. Januar wählt das Parlament PPP-Chef Samak Sundaravej zum Premierminster.

Am 28. Februar kommt Thaksin aus dem Exil zurück nach Bangkok und wird vor den Augen seiner Anhänger am Flughafen von der Polizei verhaftet. Wenige Tage später kommt er jedoch gegen Kaution wieder frei. Der Prozess gegen den Ex-Premier beginnt am 12. März. Thaksin weist vor dem Obersten Gericht sämtliche Vorwürfe wegen Macht- und Amtsmissbrauchs zurück. Im August setzen sich Thaksin und seine Ehefrau Potjaman erneut nach Großbritannien ins Exil ab.

2008: Masenproteste gegen Samak und Straßenkämpfe

Ende August kommt es in Bangkok zu Massenprotesten gegen den neuen Premier Samak Sundaravej, die vor allem von konservativen und wohlhabenden Kreisen getragen werden. Die Demonstranten, so genannte "Gelbhemden" und Angehörige der selbst ernannten „Volksallianz für Demokratie" (PAD), belagern den Regierungssitz und forden Samaks Rücktritt. Der Konflikt verschärft sich, als Regierungstreue und Oppositionelle sich Anfang September schwere Straßenschlachten liefern. Dabei wird ein Mann getötet, 44 Menschen werden verletzt. Samak ruft den Ausnahmezustand in Bangkok aus.

Somchai Wongsawat wird neuer Ministerpräsident

Am 9. September wird Samak durch ein Urteil des Verfassungsgerichts abgesetzt. Samak war in einer Fernseh-Show als Koch aufgetreten. Am 17.9. wählt das Parlament in Bangkok Somchai Wongsawat zu seinem Nachfolger. Somchai ist ein Schwager Thaksins und gehört wie Samak der PPP an. Die PAD kündigt nach Somchais Wahl eine Fortsetzung der Proteste an und wirft der Regierung Vetternwirtschaft vor.

Die Antrittsrede Somchais am 7. Oktober wird von blutigen Straßenschlachten zwischen Polizei und Opositionellen überschattet. Dabei werden zwei Demonstranten getötet und etwa 400 weitere verletzt.

Grenzkonflikt mit Kambodscha fordert Menschenleben

Am 15. Oktober werden im Grenzgebiet zu Kambodscha zwei kambodschanische Soldaten getötet und sieben thailändische verletzt. Hintergrund ist ein Jahrzehnte alter Gebietsstreit um den Hindu-Tempel Preah Vihear aus dem 11. Jahrhundert. Der Tempel, dessen Eingang auf thailändischer Seite liegt, war Mitte Juli von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden – als kambodschanisches Gebäude. Die thailändischen Nationalisten reagieren mit Gewalt.

Thaksin zu zwei Jahren Haft verurteilt

Am 21. Oktober befindet das Oberste Gericht Thaksin für schuldig, seine Frau beim Kauf eines Grundstücks vom Staat begünstigt zu haben. Das Gericht verurteilt den Ex-Premier in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft. Thaksins mitangeklagte Ehefrau Potjaman dagegen wird freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft will von Großbritannien Thaksins Auslieferung beantragen.

Demonstranten besetzen Flughäfen in Bangkok

Die Massenproteste gegen Somchai als Regierungschef gipfeln am 25. November in der Besetzung der Bangkoker Flughäfen Suvarnabhumi und Don Muang Airport. Das Oppositionsbündnis PAD fordert den sofortigen Rücktritt des Ministerpräsidenten. Die Demonstranten halten die Flughäfen über Tage besetzt. Die thailändische Hauptstadt ist vom Flugverkehr abgeschnitten. Größere Touristikunternehmen lassen in Bangkok gestrandete deutsche Touristen mit Bussen nach Phuket fahren und von dort aus außer Landes fliegen.

Regierung abgesetzt - Demonstranten lenken ein

Am 2. Dezember verurteilt das thailändische Verfassungsgericht die PPP wegen Wahlbetrugs und löst die Regierungspartei auf. Ministerpräsident Somchai Wongsawat tritt zurück. Die Demonstranten der außerparlamentarischen Opposition PAD räumen daraufhin die Flughäfen. Der Flugverkehr wird sukzessive wieder aufgenommen. Interims-Regierungschef wird der Erste Stellvertretende Ministerpräsident, Chavarat Charnvirakul.

Das Parlament hat 15 Tage Zeit, einen neuen Ministerpräsidenten zu wählen. Die Abgeordneten der aufgelösten PPP wollen sich in einer neuen Partei formieren. Zusammen mit den Koalitionspartnern haben sie eine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament und könnten einen neuen Regierungschef stellen. Jedoch laufen am 6. Dezember fünf der regierenden Koalitionsparteien zur Opposition über.

Oppositionsführer Abhisit neuer Regierungschef

Am 15. Dezember kommt es zum politischen Machtwechsel. Unter Führung der Demokratischen Partei wählt die neue Regierungskoalition den ehemaligen Oppositionsführer Abhisit Vejjajiva zum Ministerpräsidenten.

"Rothemden" belagern Regierungsgebäude

Nur gut zwei Monate nach Abhisits Amtsantritt kommt es in Bangkok erneut zu Aufständen. Diesmal seitens der "Rothemden", den Anhängern des ehemaligen thailändischen Premierministers Thaksin Shinawatra. Am 24. Februar 2009 belagern sie das Regierungsgebäude in Bangkok und fordern den Rücktritt des neuen Ministerpräsidenten.

Regierungsgegner stürmen Asien-Gipfel in Pattaya

Am 11. April 2009 zwingen die Oppositionellen die thailändische Regierung zum Abbruch des Asien-Gipfels in Pattaya. Die Demonstranten werfen mit Steinen und stürmen das Gelände des Royal Cliff Resorts, in dem das Treffen mit 15 Staats- und Regierungschefs stattfinden sollte. Abhisit verhängt daraufhin den Ausnahmezustand. Demonstrationen sind fortan im Land verboten, die Presse wird zensiert. Die "Rothemden" verschaffen sich daraufhin gewaltsam Zutritt zum Bangkoker Innenministerium, in dem sich auch Abhisit aufhält. Dem Ministerpräsidenten gelingt die Flucht.

Tote und Verletzte bei Straßenschlacht in Bangkok

Am 13. April kommt es in Bangkok zu schweren Straßenschlachten zwischen Regierungsgegnern und Militär. Rund 100 Menschen werden verletzt. Zwei Männer kommen bei einem Schusswechsel ums Leben. Einen Tag nach den Krawallen kapitulieren die "Rothemden" und ziehen sich aus dem Regierungsviertel zurück. Gegen die Rädelsführer wird Haftbefehl erlassen.

Einzelheiten zur aktuellen politischen Lage findet ihr auf der Nachrichten-Seite von klick-thailand.de.

Thailands Geschichte und Politik - Tabellarischer Überblick zum Ausdrucken

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