Bergvölker und Bergdörfer in Thailand

Long-Neck, Karen, Thailand

Long-Neck-Mädchen vom Stamm der Karen. Foto: Angelo Giampiccolo - Fotolia.com

Leben und Geschichte der Hill Tribes

Organisierte Nordthailand Rundreisen beinhalten meist auch den Besuch mehrerer Bergdörfer. Jeder Stamm hat seine eigene Kultur, Sprache und seine eigenen Trachten. In den Dörfern der Yao, Karen und Akha sind Touristen in der Regel gern gesehene Gäste, da sie den Einheimischen ihre kunsthandwerklichen Erzeugnisse abkaufen. Falls ihr kein Souvenir erstehen wollt, macht ihr den Dorfbewohnern, insbesondere den Kindern, eine Freude mit Bonbons oder anderen Süßigkeiten.

Geschichte der Hill Tribes in Nordthailand

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Die ersten Bergvölker (auch Hill Tribes, Hilltribes oder Chao Khao) siedelten sich bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den bewaldeten Bergregionen Nordthailands an. Sie kamen von China und Tibet über Laos und Burma (Myanmar) nach Thailand. Heute sind die Bergstämme in den Provinzen Chiang Mai, Chiang Rai, Mae Hong Son, Nan und Phayao ansässig. Die Zahl der in Thailand lebenden Bergstamm-Bewohner schwankt zwischen 800.000 und einer Million. Zu den Bergvölkern Thailands zählen die Yao oder Mien, Lisu, Karen oder Nyang, Hmong oder Miao, Lahu und Akha.

Die meisten Stämme leben von der Landwirtschaft (hauptsächlich Reisanbau) und dem Verkauf handwerklicher Produkte. Obgleich seit 1959 in Thailand verboten, sollen einige von ihnen in schwer zugänglichen Bergregionen noch immer Opium bzw. Schlafmohn anbauen.

Mit Brandrodung haben die Bergvölker der Natur in Nordthailand schwer zugesetzt. Um Felder anzulegen, wurden riesige Waldflächen vernichtet. Regierung und König wirken der weiteren Zerstörung der nördlichen Bergregionen mittlerweile durch verschiedene Entwicklungsprojekte entgegen. Gefördert werden unter anderem Landkultivierung und ökologischer Waldbau.

Die Angehörigen der meisten Bergvölker sind Animisten und glauben an Geister. Jedoch gibt es unter manchen Stämmen wie den Akha oder Schwarzen Lahu auch Christen, die in ihren Dörfern Kirchen bauen und Gottesdienste abhalten.

Karen, Padaung (Long Neck)

Long-Neck-Village Huay Pu Keng, Thailand

Das Karen-Dorf Huay Pu Keng nahe Mae Hong Son

Die Karen zählen in Thailand mit rund 450.000 Einwohnern zu einer der größten ethnischen Minderheiten und sind sowohl in bergigen Regionen als auch im Flachland ansässig. Ursprünglich stammen sie aus Myanmar (ehemals Burma).

Die Karen gliedern sich in verschiedene Gruppen: die Sgaw (Weiße Karen), die Kayan oder Karenni (Rote Karen), die Bghai und die Pwo (oder Talaing). Zu den Weißen Karen zählen auch die Padaung, deren Frauen bekannt für ihre langen Hälse (Long Neck) sind. In Thailand gelten sie als die am meisten fotografierten Frauen. Von ihrem fünften Lebensjahr an tragen die Padaung-Mädchen dicke Metallreifen zum Strecken ihrer Hälse. Die Zahl der Ringe nimmt mit dem Älterwerden zu. Bei einer erwachsenen Frau kann der Halsschmuck bis zu acht Kilogramm wiegen. Die Ringe gelten bei den Padaung als Symbol für Schönheit und Reichtum.

Allerdings hat die Schönheit ihren Preis – nämlich verheerende gesundheitliche Folgen. Denn die Muskeln, die den Hals normalerweise stützen, verlieren ihre Funktion und verkümmern. Entfernt man bei einer Frau die Ringe, führt dies mit großer Wahrscheinlichkeit zum Erstickungstod.

Von Touristen häufig besuchte Long-Neck-Dörfer in Thailand sind Baan Nai Soi (gut 20 Kilometer nordwestlich von Mae Hong Son und nur wenige Kilometer von der burmesischen Grenze entfernt) sowie Huay Pu Keng am Pai Fluss (einige Kilometer südlich von Mae Hong Son). Die Padaung lassen sich in der Regel nur für Geld fotografieren. Beim Besuch mancher Dörfer ist Eintritt zu bezahlen – in diesem Fall sind die Fotos kostenlos.

Viele Karen-Stämme halten traditionell Elefanten und arbeiten als Mahouts (Elefantentrainer). Sie bauen Reis und Gemüse an, züchten Nutztiere und verkaufen ihre Webarbeiten an Touristen. Ihre Kleidung stellen die Karen selbst her. Unverheiratete Frauen tragen weiße, verheiratete Frauen rote oder schwarze Kleidungsstücke. Viele Karen glauben an Geister, andere wiederum sind Buddhisten oder Christen. Die rund 15 verschiedenen Karen-Sprachen zählen zu den sinotibetischen Sprachen.

In Myanmar sind die Karen seit Jahrzehnten starken Repressalien des Militärs ausgesetzt. Die Armee räumt ihre Dörfer, vergewaltigt Frauen und drängt die Zivilbevölkerung in die Zwangsarbeit. Seit 1948 kämpft die separatistische Karen National Union (KNU) für einen unabhängigen Karen-Staat. Mit einer Offensive geht das Militär nun seit 2006 verschärft gegen die KNU und auch gegen Zivilisten vor. In Folge der Übergriffe flohen viele Karen über die Grenze nach Thailand und leben dort in Flüchtlingslagern.

Lisu

Die Lisu stammen aus Südwestchina und kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit als erstes Volk über Burma nach Thailand. Heute leben hier rund 60.000 Angehörige dieses Bergstammes. Ihre Trachten sind auffällig bunt. Die Frauen tragen unter ihren Kleidern schwarze Hosen und rote Gamaschen. An Festtagen schmücken bunte Turbane ihre Köpfe. Die Lisu leben wie die Yao vor allem vom Reis- und Gemüseanbau und züchten Rinder und Schweine. Auch sollen sie – obgleich streng verboten - noch immer Schlafmohn (Opium) anbauen.

Die Lisu-Sprache gehört zu den sino-tibetischen Sprachen und hat eine eigene Schrift. Diese ist zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts von drei Missionaren entwickelt worden und heute nach einem ihrer Erfinder als Frazer-Alphabet bekannt. Die Schrift besteht aus lateinischen Buchstaben, die teilweise gedreht sind.

Lahu

Die ca. 85.000 in Thailand lebenden Lahu stammen aus dem Südwesten von China und siedeln in den nordthailändischen Provinzen Chiang Mai, Chiang Rai und Mae Hong Son. Zu unterscheiden sind die Schwarzen, Roten und Gelben Lahu sowie die She Leh Lahu. Jede Gruppe hat ihre eigene Trachten und ihren eigenen Dialekt. Die Frauen der Schwarzen Lahu tragen schwarze Kleider, die der Roten Lahu Jacken mit roten Rändern. Die Kleidung der Lahu-She-Leh-Frauen besteht hauptsächlich aus einem langen Mantel. Die Arme werden von silbernen Reifen geziert. Viele Lahu kleiden sich mittlerweile wie normale Bauern und legen ihre Trachten nur noch an Festtagen an.

Die Lahu bauen in erster Linie Trockenreis und Mais an, aber auch Opium. Die meisten Lahu sind Animisten und glauben an Geister. Ein Teil der Schwarzen Lahu bekennt sich mittlerweile zum Christentum.

Yao ( Meo oder Mien )

Die Yao stammen ursprünglich aus dem Süden und Südwesten von China und siedeln neben Thailand (ca. 45.000) auch im Norden von Laos, in Vietnam und Burma (Myanmar). Die Yao nennen sich selbst Mien, was übersetzt so viel wie Individuum oder Wesen heißt. Ursprünglich wurzelt die Religion der Yao im chinesischen Taoismus. Heute sind jedoch viele Yao zum Buddhismus und Christentum konvertiert. Ihre Sprache ist Mien, die zu den sino-tibetischen Sprachen zählt.

Die Yao in Thailand leben von der Landwirtschaft und bauen neben Reis auch Gemüse an. Berühmt sind die Stickereien der Yao-Frauen. Ihre Tracht besteht meist aus einem schwarzen Turban und einer bunten Schärpe.

Hmong ( Miao )

Hmong, Thailand

Hmong-Mädchen beim Sticken

Die ersten Hmong oder Meo (Miao), wie sie die Thais nennen, kamen bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Südchina über Vietnam und Laos nach Thailand. Heute siedeln rund 130.000 von ihnen in den nordthailändischen Provinzen Chiang Mai, Chiang Rai, Tak und Nan. Bei den Hmong gibt es weltweit mehr als 70 Untergruppierungen, die sich durch ihre jeweils unterschiedliche Kleidung auszeichnen. In Thailand leben überwiegend Blaue bzw. Schwarze und Weiße Meo.

Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Miao mit wandernder Landwirtschaft. Sie bauen neben Hochland-Reis auch Korn und Sojabohnen an. Vom Opium-Anbau sind sie mittlerweile abgekommen. Bei den Hmong hat die Familie oberste Priorität. In den Großfamilien von acht oder mehr Mitgliedern treffen jeweils die Ältesten die Entscheidungen. Je älter ein Familienmitglied ist, desto mehr Verantwortung und Autorität übernimmt es. Die Hmong leben polygam. Ein Mann heiratet in der Regel so viele Frauen, wie er ernähren kann.

Die Meo sind Animisten. Ihre Sprachen gehören zu der Sprachgruppe der Hmong-Mien-Sprachen (Miao-Yao-Sprachen). Fast jeder Stamm spricht seinen eigenen Dialekt. In Thailand tragen die Frauen der Blauen Hmong bestickte Batikröcke und schwarze Blusen. Das Haar der Meo, das mehrere Meter lang sein kann, wird zu einem Knoten zusammengebunden. Die Tracht der weißen Hmong besteht aus einer schwarzen Hose, einer bestickten Jacke und einem Turban.

Zahlreiche Meo leben auch heute noch in Flüchtlingslagern an der laotischen Grenze. Insgesamt kämpften während des Vietnamkrieges 30.000 Hmong auf der Seite der USA.

Akha

Die Akha stammen ursprünglich aus dem tibetischen Hochland. Von dort wanderten sie nach Yunnan ein. Ein Teil von ihnen zog weiter in den Norden von Birma und Laos. In Thailand siedelten die ersten Akha bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Heute leben etwa 50.000 von ihnen in über 300 Dörfern in den Provinzen Chiang Rai und Chiang Mai, Phrae, Tak und Kamphaeng Phet. Der Stamm der Akha gilt unter Thailands Bergvölkern als der ärmste.

Die Akha sind Bauern und bauen Trockenreis, Weizen und Bohnen an. Zudem züchten sie Wasserbüffel und Schweine. In abgelegenen Dörfern bauen sie auch heute noch Opium an. Die Akha tragen sehr auffällige Trachten. Die Kopfbedeckungen der Frauen sind mit silbernen Knöpfen, Bommeln und Münzen verziert. Ihre übrige Kleidung besteht aus Jacke, Brusttuch, Rock, Schärpe und Gamaschen. Die Farbe ist Schwarz oder Indigoblau.

Die Akha sind Animisten und glauben, dass ihre Dörfer von Geistern bewohnt werden. So bilden deren Eingänge Zeremonialtore, durch die Menschen und Geister gleichermaßen Zutritt haben.

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